Hl. Papst Johannes XXIII.        


11. Oktober

Papst, III. Orden
1881 Sotto il Monte,  + 3. Juni 1963

 

Angelo Giuseppe Roncalli wurde 1881 in Sotto il Monte in Bergamo geboren. Seine theologischen Studien absolvierte er in Rom. 1904 zum Priester geweiht, war er Sekretär seines Heimatbischofs und Professor am Priesterseminar in Bergamo.
1921 wurde er an die Propagandakongregation berufen, 1922 in den Generalrat des Päpstlichen Werkes der Glaubensverbreitung. 1925 wurde er zum Apostolischen Visitator in Bulgarien und 1934 zum Apostolischen Delegaten für die Türkei und für Griechenland ernannt. 1944 wurde er überraschend mit der Aufgabe eines Apostolischen Nuntius in Paris betraut. 
1953 erhob ihn Papst Pius XII. zum Kardinal und ernannte ihn zum Patriarchen von Venedig. Am 28. Oktober 1958 wurde er zum Papst gewählt. Durch seine schlichte Herzlichkeit eroberte er bald die Sympathie der Menschen. Bereits 1959 kündigte er ein Ökumenisches Konzil an, das am 11. Oktober 1962 feierlich eröffnet wurde. Er starb am 3. Juni 1963.
Papst Johannes Paul II. hat ihn am 3. September 2000 selig-, Papst Franziskus am 27. April 2014 heiliggesprochen. Sein Gedenktag wurde auf den 11. Oktober gelegt, den Tag der Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils im Jahre 1962.

Eröffnungsvers
Der Herr bestellte ihn zum Hohenpriester. 
Er erschloss ihm seinen Reichtum 
und überhäufte ihn mit Gnaden.

Tagesgebet
Allmächtiger, ewiger Gott,
im heiligen Papst Johannes
     hast du der Welt ein lebendiges Abbild Christi,
     des guten Hirten, aufleuchten lassen.
Gib uns auf seine Fürsprache die Kraft,
dass wir den Reichtum christlicher Liebe
     mit Freude weiterschenken.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Lesung     Eph 4,1-7.11-13
Die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi.

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser.

Schwestern und Brüder!
Ich, der ich um des Herrn willen im Gefängnis bin,
     ermahne euch, ein Leben zu führen,
     das des Rufes würdig ist, der an euch erging.

Seid demütig, friedfertig und geduldig,
ertragt einander in Liebe,
und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren
     durch den Frieden, der euch zusammenhält.
Ein Leib und ein Geist,
wie euch durch eure Berufung
     auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist;
ein Herr, ein Glaube, eine Taufe,
ein Gott und Vater aller,
     der über allem und durch alles und in allem ist.

Aber jeder von uns empfing die Gnade
     in dem Maß, wie Christus sie ihm geschenkt hat.
Und er gab den einen das Apostelamt,
andere setzte er als Propheten ein,
andere als Evangelisten,
andere als Hirten und Lehrer,
um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten,
     für den Aufbau des Leibes Christi.
So sollen wir alle zur Einheit im Glauben
     und zur Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen,
damit wir zum vollkommenen Menschen werden
und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen.

Antwortpsalm     Ps 19,2-5
R
  Ihre Botschaft geht hinaus in die ganze Welt. – R

Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes, *
vom Werk seiner Hände kündet das Firmament.
Ein Tag sagt es dem andern, *
eine Nacht tut es der andern kund,
– (R)

ohne Worte und ohne Reden, *
unhörbar bleibt ihre Stimme.
Doch ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus, *
ihre Kunde bis zu den Enden der Erde.
– R

Ruf vor dem Evangelium     Vers: Joh 10,11
Halleluja. Halleluja.
Ich bin der gute Hirt.
Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.
Halleluja.

Evangelium     Joh 21,1.15-17
Weide meine Lämmer! Weide meine Schafe!

  Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

In jener Zeit
offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal.
Es war am See von Tiberias,
und er offenbarte sich in folgender Weise.

Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus:
     Simon, Sohn des Johannes,
     liebst du mich mehr als diese?
Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.
Jesus sagte zu ihm:
     Weide meine Lämmer!

Zum zweiten Mal fragte er ihn:
     Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?
Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.
Jesus sagte zu ihm:
     Weide meine Schafe!

Zum dritten Mal fragte er ihn:
     Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?
Da wurde Petrus traurig,
     weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte:
     Hast du mich lieb?
Er gab ihm zur Antwort: Herr, du weißt alles;
     du weißt, dass ich dich liebhabe.
Jesus sagte zu ihm:
     Weide meine Schafe!

Fürbitten
V
  Johannes XXIII. hat viele Jahre hindurch ein sehr berührendes geistliches Tagebuch geführt, aus dem auch der bekannte „Dekalog der Gelassenheit“ stammt. Bitten wir in seinem Sinn: 
A  Wir bitten dich, erhöre uns.

Nur für heute lass es mir gelingen, ganz im Vertrauen zu leben, ohne die Probleme meines Lebens alle auf einmal lösen zu wollen.

Nur für heute gib mir, dass ich niemanden kritisiere und niemanden verbessern will außer mich selbst.

Nur für heute soll es mir gelingen, dass ich an diesem Tag und in diesem Leben glücklich bin und ich nicht glaube, das Glück warte erst im anderen Leben auf mich.

Nur für heute hilf mir, dass ich mich den Umständen dieses Tages und den Bedürfnissen der Menschen anpassen kann, ohne zu verlangen, dass sie sich mir anpassen.

Nur für heute lass mich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen; wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist eine gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.

Nur für heute soll es mir gelingen, dass ich eine gute Tat vollbringe und es niemanden erzähle.

Nur für heute will ich mich überwinden etwas zu tun, was mich gar nicht freut; und ich werde meinen Missmut niemand spüren lassen.

Nur für heute lass mich fest glauben – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten –, dass deine gütige Vorsehung sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.

Nur für heute lass mich ohne Angst leben. Lass mich an allem freuen, was schön ist – lass mich an die Güte glauben.

Nur für heute lass mich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen – und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: der Hetze und der Unentschlossenheit.

Du guter Gott, nur für heute lass mich wenigstens einen einzigen Punkt von all dem versuchen. Denn nur heute ist es mir gegeben, das Gute während dieses Tages zu wirken.

Amen.

Gabengebet
Herr, unser Gott,
am Gedenktag des heiligen Papstes Johannes
     bringen wir das Opfer des Lobes dar.
Voll Vertrauen rufen wir zu dir:
Wende alles Böse von uns ab
     und rette uns vor dem ewigen Verderben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Präfation     Von den Hirten der Kirche

Kommunionvers     Joh 10,11

Schlussgebet
Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.
Herr, unser Gott,
das Sakrament, das wir empfangen haben,
     entzünde in uns jene Liebe,
die den heiligen Papst Johannes drängte,
     unermüdlich für deine Kirche zu arbeiten.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

 


Papst Johannes XXIII

 

LESEHORE

Commune: Hirten der Kirche
 

ZWEITE LESUNG

Aus der Antrittsrede des heiligen Johannes XXIII. als Patriarch von Venedig.

Der Gute Hirt gibt sein Leben hin für seine Schafe.

Die Göttliche Barmherzigkeit hat mich jetzt dorthin geführt, wo meine priesterliche Berufung ihre ersten Schritte machen durfte, das ist der seelsorgliche Dienst. Jetzt befinde ich mich ganz in einer direkten Aufgabe für die Seelen der Menschen.

Ich war in Wahrheit immer der Auffassung, dass für einen Priester der Kirche auch eine Aufgabe wie die sogenannte Diplomatie ganz von seelsorglichem Geist durchwirkt sein müsse. Sonst zählt eine missionarische Aufgabe nichts und führt eher ins Lächerliche. Jetzt bin ich vor wirkliche Aufgaben in der Kirche und an den Menschen berufenmit dem Ziel, Seelen zu retten und zum Himmel zu führen. Das genügt mir und ich danke dem Herrn. Das habe ich schon in San Marco in Venedig am Tag meines Einstandes gesagt: Ich wünsche mir und denke an nichts anderes, als für die Seelen zu leben und zu sterben, die mir anvertraut sind. „Der gute Hirt gibt sein Leben hin für seine Schafe. Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben, und es in Fülle  haben.“
1

Mit 72 Jahren beginne ich die Ausübung meines Amtes in einem Alter, da andere aufhören. Ich befinde mich also an der Schwelle zur Ewigkeit. Mein Jesus, erster Hirte und Bischof unserer Seelen, das Geheimnis meines Lebens und Sterbens liegt in deinen Händen, nahe an deinem Herzen. Auf der einen Seite erzittere ich, weil sich die letzte Stunde naht. Auf der anderen Seite vertraue ich und schaue Tag für Tag voraus. Ich fühle mich in der Situation des heiligen Aloisius Gonzaga: mit höchster Anstrengung meine Beschäftigungen weiterzuführen, aber noch mehr an die göttliche Barmherzigkeit zu denken. Für die wenigen Jahre, die mir noch zum Leben bleiben, möchte ich ein heiliger Hirte im wahren Sinn des Wortes sein, wie mein Vorgänger, der heilige Pius X., wie der verehrte Kardinal Ferrari, wie mein Monsignore Radini Tedeschi, solange er lebte und heute noch, wenn er hätte weiterleben können: „So helfe mir der Herr!“

In diesen Tagen habe ich bei Gregor dem Großen und beim heiligen Bernhard gelesen: Beide sind besorgt um das geistliche Leben eines Hirten, der nicht unter äußeren materiellen Sorgen zu leiden hat. Mein Tagewerk muss immer von Gebet durchdrungen sein, das Beten soll mein Atmen sein. Ich nehme mir vor, jeden Tag den ganzen Rosenkranz von 15 Gesätzchen zu beten, ich möchte dem Herrn und seiner heiligsten Mutter – wenn möglich in der Kapelle und vor dem Allerheiligsten – die größten Nöte meiner Kinder in der Stadt und in der Diözese Venedig empfehlen, Klerus und Seminaristen, Ordensleute, weltliche Obrigkeiten und arme Sünder.

Zwei schmerzhafte Anliegen bedrücken mich als Kardinal und Patriarch, bei allem Glanz kirchlicher Würde und des Respektes. Die schmalen Einkünfte der Bischöflichen Mensa (Güterverwaltung) und die Masse der Armen sowie der Bittsteller und Bedürftigen. Was die Fürsorge für die Armen betrifft, ist mir allerdings für mich und für meine Nachfolger eine Verbesserung der Bedingungen  nicht verwehrt.

Es tut mir gut, dem Herrn für diese etwas verdemütigende und oft auch verunsichernde Armut zu danken. Sie lässt mich dem armen Jesus und dem heiligen Franziskus ähnlich werden, bei aller Sicherheit, dass ich nicht an Hunger sterben werde. O selige Armut, die mir einen besonderen Segen für alles Übrige erwirkt und die deshalb wichtiger ist als andere seelsorgliche Aufgaben.


1  Joh 10,10-11

Quellenangabe: 
„Giornale dell’anima“ del santo Giovanni XXIII, Papa, Milano 2000, 254-257.

Responsorium
R
  Wer durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme. * Er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.
V  Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. * Er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.

Oration     wie in den Laudes.
 

LAUDES
Hymnus

Herr Jesus Christus, guter Hirt,
du bist der Weg, du bist die Tür,
du bist die Wahrheit, die uns führt
durch Licht und Schatten hin zu dir.

Du hast nach deines Herzens Bild
Johannes dir zum Dienst erwählt,
dass er wie du, geduldig,  mild,
die Kirche leite in der Welt.

Er kündete voll Kraft dein Wort
den Nahen, Fernen insgesamt,
blieb bei den Menschen immerfort
und demutsvoll im hohen Amt.

Prophetisch hat er seine Zeit
in ihren Zeichen klar erkannt,
der Kirche Tor geöffnet weit,
dass segnend sie die Welt umspannt.

Er hat gehört und ausgeführt,
was Jesu Geist der Kirche sagt,
dass sie in ihm lebendig wird
und mutig neue Wege  wagt.

In deinem Herzen, Jesus Herr,
finden wir Tröstung immerzu,
die wir an Lasten tragen schwer,
schenk Frieden uns und bei dir Ruh.
Amen.

Oration
Allmächtiger, ewiger Gott, im heiligen Papst Johannes hast du der Welt ein lebendiges Abbild Christi, des guten Hirten, aufleuchten lassen. Gib uns auf seine Fürsprache die Kraft, dass wir den Reichtum christlicher Liebe mit Freude weiterschenken. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

Kontakt

bernhard.frei@kapuziner.org