Sel. Innozenz von Berzo          


28. September

Priester, I. Orden
* 1844 Niardo,  + 1890 Bergamo

 

Innozenz wurde am 19. März 1844 zu Niardo (Brescia) geboren. Noch sehr jung trat er in das Bischöfliche Kolleg ein. Am 2. Juni 1867 empfing er die Priesterweihe. Er versah dann verschiedene priesterliche Aufgaben, auch die eines Pfarrers. 
Mit 30 Jahren trat er bei den Kapuzinern ein und unterzog sich mit Begeisterung der Strenge der franziskanischen Lebensform. In den verschiedenen Aufgaben, die ihm im Orden gestellt wurden, konnte er die Erwartungen seiner Oberen nie ganz befriedigen. Dies diente ihm dazu, noch demütiger zu werden und dadurch an innerer Größe zu gewinnen. Diese zeigte sich im beständigen Gebet, in der Buße und in der Hingabe an die Predigt- und Beichttätigkeit. Besondere Freude bereiteten ihm Jesus im Tabernakel und die Kreuzwegandacht.
Er starb am 3. März 1890 in Bergamo, während er seinen Mitbrüdern die Exerzitien hielt. Papst Johannes XXIII. hat ihn am 12. November 1961 seliggesprochen. Dabei sagte er über ihn: „Er wurde zu einem Heiligen für unsere Zeit gerade dadurch, dass er äußerlich wenig Aufsehen machte, nicht viel zu sagen wusste und auf seine Zeit wenig Eindruck machte. Er lebte aber unter uns als Beispiel des Gebetes und der Abtötung.“

Eröffnungsvers     Vgl. Lk 4,18
Der Geist des Herrn ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe und alle heile, deren Herz bedrückt ist. 

Tagesgebet
Gott, du richtest dein Auge auf die Demütigen
     und beachtest nicht die Stolzen.
Hilf uns,
nach dem Beispiel des seligen Innozenz von Berzo
     hochmütige Gedanken zu meiden
und auf dem Weg zu dir in Demut voranzuschreiten.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Lesung     1 Kor 1,26-31
Das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt.

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther.

Brüder und Schwestern, seht doch auf eure Berufung!
Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn,
nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme,
sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt,
     um die Weisen zuschanden zu machen,
und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt,
     um das Starke zuschanden zu machen.
Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt:
das, was nichts ist,
     um das, was etwas ist, zu vernichten,
damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott.

Von ihm her seid ihr in Christus Jesus,
     den Gott für uns zur Weisheit gemacht hat,
zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung.

Wer sich also rühmen will,
     der rühme sich des Herrn.

Antwortpsalm     Ps 16,1-2.5.7-9.11
R  Du Herr, du bist mein Anteil und Erbe. – R

Behüte mich, Gott, denn ich vertraue dir. †
Ich sage zum Herrn: „Du bist mein Herr; *
mein ganzes Glück bist du allein.“
Du, Herr, gibst mir das Erbe und reichst mir den Becher; *
du hältst mein Los in deinen Händen. 
– (R)

Ich preise den Herrn, der mich beraten hat. *
Auch mahnt mich mein Herz in der Nacht.
Ich habe den Herrn beständig vor Augen. *
Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht. 
– (R)

Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele; *
auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit.
Du zeigst mir den Pfad zum Leben. †
Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle, *
zu deiner Rechten Wonne für alle Zeit. 
– R

Ruf vor dem Evangelium     Vers: Mt 5,3
Halleluja. Halleluja.
Selig, die arm sind vor Gott,
denn ihnen gehört das Himmelreich.
Halleluja.

Evangelium     Mt 19,27-29
Die ihr alles verlassen habt und mir nachgefolgt seid, werdet das Hundertfache erhalten.

✠  Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

In jener Zeit sagte Petrus zu Jesus:
Du weißt, wir haben alles verlassen
     und sind dir nachgefolgt.
Was werden wir dafür bekommen?

Jesus erwiderte ihnen: Amen, ich sage euch:
Wenn die Welt neu geschaffen wird
     und der Menschensohn
     sich auf den Thron der Herrlichkeit setzt,
werdet ihr, die ihr mir nachgefolgt seid,
     auf zwölf Thronen sitzen und
     die zwölf Stämme Israels richten.

Und jeder,
der um meines Namens willen Häuser
     oder Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder
     oder Äcker verlassen hat,
wird dafür das Hundertfache erhalten
     und das ewige Leben gewinnen.

Fürbitten
V
  Gott und Vater, du hast uns in der Taufe in dein Reich berufen und du begleitest unser Handeln und Wirken durch deine Hilfe:
V/A  Herr, erhöre unser Gebet.

-  Mache die Kirche durch ihr Pilgerkleid und ihren Einsatz für alles Schwache zu einem Zeichen für die Welt.

-  Schenke Frieden und Gerechtigkeit unserer Zeit und hilf jenen, die sich dafür einsetzen.

-  Stärke uns im Glauben, festige unsere Hoffnung und eine uns in der Liebe.

-  Führe unsere verstorbenen Brüder und Schwestern heim in das Reich der Ewigkeit.

Wir vertrauen auf dich, denn du bist unser Vater und begleitest uns zu jeder Stunde unseres Lebens, der du lebst und herrschest in Ewigkeit.

Amen.

Gabengebet
Nimm an, o Herr, unsere Gaben,
     die wir am Gedenktag des seligen Innozenz dir darbringen.
Diese heilige Feier verkünde deinen Ruhm
     und gereiche uns zum Heil
durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Präfation     Von den Ordensleuten

Kommunionvers     Mt 28,20
Ich bin bei euch bis zum Ende der Welt,
so spricht der Herr.

Schlussgebet
Gütiger Gott,
wir haben den Leib und das Blut
     deines Sohnes empfangen.
Bereite unser Herz für die Freude des ewigen Gastmahles,
zu dem du deinen treuen Diener
     Innozenz von Berzo geladen hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. 

Bildergebnis für innocenzo da berzo
Sel. Innocenzo da Berzo

 

LESEHORE

Commune: Hirten der Kirche
oder Ordensleute

 

ZWEITE LESUNG

Aus einer Ansprache von Kardinal Giovanni Battista Montini (Papst Paul VI.).

Die Haltung der Bescheidenheit, der Armut und des Verzichts.

Innozenz von Berzo war ein wahrhaftig demütiger Minderbruder. Er war zuerst Weltpriester und trat dann in den Orden der Kapuziner ein. Sein ganzes Leben verbrachte er in der Val Camónica in der Lombardei. Er ist ein scheuer Heiliger, zurückhaltend, ein Heiliger, der einem entgleitet und der in keiner Weise dazu neigt, sich selbst zu zeigen, ein Heiliger, der die Arbeit des Geschichtsschreibers und des Lobredners vereinfacht.

Es ist auch deshalb nicht leicht, über ihn zu reden, weil die Elemente, die sein Leben und seine Heiligkeit ausmachen, die sogenannten „negativen“ Tugenden  sind. Es fehlt dabei der Glanz der Taten und Werke. Er zeichnete sich aus, indem er allen diente, ohne je etwas abzulehnen. Diese Haltung der Bescheidenheit, der Armut und des Verzichts bei Innozenz war leuchtend und außergewöhnlich. Wer ihn kennen will, darf nicht andere Tugenden oder Aspekte steigern, sondern muss ihn in seiner eigentlichen, wahrhaftigen und gewollten Dimension sehen, die in der Verborgenheit und Bescheidenheit bestand.

Wir heutige Menschen, die in einer Gesellschaft leben, die ganz andere Werte des Lebens schätzt, fühlen uns mit ihm fast nicht verbunden. Wir fühlen uns verwirrt, und es kommt uns die Distanz der Persönlichkeit in den Sinn, beinahe wie sie der heilige Paulus im Brief an die Korinther beschreibt:

„Ihr groß, ich klein; ihr mächtig, ich schwach.“
1 Und wir sehen, dass diese Unterscheidung irgendwie auch uns gegenüber zutrifft.

Wir rühmen uns alle unserer Güter, dessen was wir sind, was wir wollen, was wir können.

Wir sind darauf aus, zu vergrößern, die Entwicklung unserer Persönlichkeit voranzutreiben, die Bestätigung unseres Wollens, die Möglichkeiten unserer Selbstverwirklichung im Leben, den Besitz, die Macht.

All das war für Innozenz von keiner Bedeutung. Diese Güter hat er beinahe verachtet, ohne dramatische Gesten, aber in einer dauernden gleichbleibenden Ablehnung und Verneinung. Er wollte sie nie hochachten, er beanspruchte sie nie für sich, und wenn er sie nur in Annäherung verspürte, wies er sie ab.

Er wollte in buchstäblicher Armut leben, in wirklicher Verborgenheit, in einer Demut, die nicht ausgesprochen und gepredigt wurde, sondern gelebt, sich zu eigen gemacht, auf der Suche nach jenen wirklichen Lebensbedingungen fern der  Welt und frei vom Urteil anderer, die den Menschen in der Selbstverleugnung und Selbstaufopferung reifen lassen.

Das ist das Bild, das sich uns von ihm darstellt, vom Äußeren her gesehen. Wir nehmen ihn so wahr, und wir bleiben, wenn man so sagen darf, voller Bewunderung und zugleich etwas fassungslos.

Es gibt keinen leichten Vergleich zwischen  uns und ihm, eine oberflächliche Sympathie ist nicht leicht möglich, eben deshalb, weil wir auf zwei verschiedenen Wegen gehen: wir den sogenannten positiven irdischen Werten entgegen, er aber in Entäußerung dieser Werte anderen entgegen, die ihm allein bekannt sind, die ihm genügten, die ihn erfüllten und die er mehr als alles andere erstrebte.

Meine Brüder und Schwestern, wir haben hier einen wahrhaftigen Franziskusbruder vor uns, einen echten Sohn jenes Wunders an Heiligkeit, der nach über sieben Jahrhunderten immer noch die Welt zum Staunen bringt: Franziskus von Assisi.

Gerade in dieser Art, die menschlichen Dinge auf den Kopf zu stellen sowie Freude und Genugtuung in dem zu finden, was die Menschen eher fürchten, die Armut und der Verzicht auf die Güter dieser Welt, finden wir zwischen Franziskus und Innozenz eine buchstabengetreue, fast bildhafte Entsprechung. Und das ist keine Kleinigkeit; dies bezeugt uns, dass der selige Innozenz wahrhaftig in das Verzeichnis der „authentischen Vorbilder“ einzureihen ist, also jener Männer und Frauen, die dem Beispiel des Gründers der franziskanischen Familie wahrhaftig gefolgt sind.


Vgl. 1 Kor 4,10 

Quellenangabe: 
Paolo VI e Brescia, Brescia recte 1971, 78-85.

Responsorium
R  O seliger Bruder Innozenz, du hast vor Gott wunderbare Taten vollbracht, du hast ihn aus dem Innersten deines Herzens heraus verehrt. * Demütig und arm, ausdauernd im Guten bist du zu höchster Tugend gereift.
Bitte für alle, die in diesem Tal der Tränen unterwegs sind zur Vollendung ihres Lebens. * Demütig und arm, ausdauernd im Guten bist du zu höchster Tugend gereift.

Oration
Gott, du richtest dein Auge auf die Demütigen und beachtest nicht die Stolzen. Hilf uns, nach dem Beispiel des seligen Innozenz von Berzo hochmütige Gedanken zu meiden und auf dem Weg zu dir in Demut voranzuschreiten. Darum bitten wir durch Jesus Christus.